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Liegenschaften verschenken (verkaufen) – heuer noch billiger?

Rechtsnews | 24.11.2015

Liegenschaften verschenken (verkaufen) – heuer noch billiger?

Hinsichtlich der ab 2016 geltenden, neuen Grunderwerbsteuer ist nun die Unterscheidung zwischen entgeltlichen und unentgeltlichen Erwerben sowie die Höhe der Gegenleistung für die Bemessung der Grunderwerbsteuer maßgeblich. Die neuen Steuersätze beim Grundstückserwerb erfolgen hingegen bei unentgeltlichem Erwerb und im Familienverband nach Tarifstufen, beim entgeltlichen Erwerb beträgt der Steuersatz einheitlich 3,5%.

Für den unentgeltlichen Erwerb und jenen im Familienverband sind folgende Tarifstufen maßgeblich:

  • für die ersten EUR 250.000 0,5%
  • für die nächsten EUR 150.000 2%
  • und darüber hinaus 3,5%

Bisher war der sogenannte (3-fache) Einheitswert des Grundstücks maßgeblich für die Steuerermittlung, nun ist es der Verkehrs- bzw Marktwert. Ermittelt wird der Grundstückswert durch Berechnung laut der – letzte Woche vorerst als Entwurf – veröffentlichten, Grundstückswertverordnung 2016 bzw wird der Verkehrswert durch den Immobilienpreisspiegel unter Berücksichtigung eines Abschlages ermittelt.

Zu den – nicht so einfach zu ermittelnden – Details: Die Grundstücks-Wertermittlung erfolgt entweder durch Heranziehung des 3-fachen Bodenwertes mal dem Aufwertungsfaktor sowie durch Nutzfläche/Bruttogesamtfläche mal Baukostenfaktor, abhängig von dem betreffenden Bundesland (Hochrechnungsfaktoren). Beispielsweise beläuft sich der Baukostenfaktor je Quadratmeter in Wien auf € 1.560,00, in Niederösterreich auf € 1.400,00 und in Burgenland auf € 1.350,00. So liegt unter anderem der Hochrechnungsfaktor in Purkersdorf bei 5,5 %, Klosterneuburg 6,5% und in Gablitz bei 5 %.

Ein Beispiel zur Berechnung der Grunderwerbsteuer: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus mit 110m², Baujahr 2006 in Purkersdorf, weist zB einen Verkehrswert von € 370.000,00 auf. Die Grunderwerbsteuer bei Schenkung an ein Familienmitglied ab 1.1.2016 beträgt auf Grund des Stufentarifs 0,5 % von € 250.000,00 und 2% von € 120.000,00, und damit insgesamt € 3.650,00. Bis Ende 2015 wäre die Grunderwerbsteuer in dem konkreten Beispiel unter Heranziehung des dreifachen Einheitswertes im Regelfall doch um einiges geringer ausgefallen.

Aufgrund der neuen marktnahen Grundstücks-Wertermittlung ist im Regelfall mit Erhöhungen der Steuersätze beim Grundstückserwerb zu rechnen. Daher ist es sinnvoll, bereits geplante Grundstücksübertragungen (insbesondere Schenkungen im Familienverband) rasch überprüfen zu lassen und allenfalls noch vor Jahresende vorzunehmen.