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Teilnahme bei Reitturnier führt zu freiberuflicher Tätigkeit? Skurrilitäten aus dem Leben einer Rechtsanwältin.

Aktuelles | 28.03.2019

Teilnahme bei Reitturnier führt zu freiberuflicher Tätigkeit? Skurrilitäten aus dem Leben einer Rechtsanwältin.

Viele wissen: man hat immer die beste Versicherung – so lange man nichts von ihr braucht. Das gilt auch und besonders bei Rechtschutzversicherungen. Da ich als Rechtsanwältin bei vielen meiner Mandanten bei der Erlangung der Deckung unterstütze, weiß ich wovon ich rede – allein die “Gespräche” mit diversen Sachbearbeitern füllen wohl ein ganzes Buch. Manche Fälle jedoch sind so speziell, dass man sie einfach erzählen muss – so wie dieser hier:

Es geht – wie meist – um eine Deckungsanfrage, die – wie des Öfteren – zunächst abgeleht wird. Die Ablehnung erfolgt naturgemäß mit einer Begründung, die oftmals juristisch nicht haltbar ist. Dies führt bei nochmaliger Anfrage dazu, dass man seine Argumentation verteidigen muss und sich in einen Strudel hinein argumentiert. Leider sind viele Mandanten dann überfordert und akzeptieren es – oder suchen Rat und Hilfe.

Und dann wird es für den Fachkundigen manchmal wirklich skurril. Wie hier, wo die Deckungsanfrage hinsichtlich einer Haftungsklage bei einem Pferd zu folgender, sowohl inhaltlich wie auch orthographisch, kreativen Erklärung für die Ablehnung der Deckung führt:

“Da es sich laut den von Ihnen übermittelten Unterlagen um ein Tunierpferd (sic!) handelt, müssen wir davon ausgehen, dass es sich um eine freiberufliche bzw. selbständige Tätigkeit handelt.”

Diese, oben angeführte, Annahme wird in diesem Fall noch plakativer, wenn man das darauf folgende zweite Schreiben liest und zitiert:

“Wir gehen davon aus, dass mit der Teilnahme an Tunieren Gewinne erzielt werden können. Diese Tätigkeit stellt eine sonstige Erwerbstätigkeit da (leider muss man da nun schon zweimal sic! schreiben), die vom privaten Lebensbereich nicht umfasst ist.”

Mit anderen Worten: Jeder, der mit seinem Pferd bei einem Turnier teilnimmt, bekommt von seiner Rechtschutzversicherung dieser Versicherungsgesellschaft keine Versicherungsdeckung, da er als Selbständiger tätig wird! Ohne jetzt in die juristische Tiefe zu gehen, welche Faktoren erfüllt sein müssen, um von einer selbständigen Tätigkeit zu sprechen bzw. warum ein Reiter niemals freiberuflich tätig werden kann, oder wer so eine Behauptung beweisen bzw. widerlegen muss, lernen wir natürlich viel dazu. Jedenfalls, dass sich einer meiner Leitsätze immer wieder bestätigt: überlege dir gut, welche Versicherung du abschließt und vor allem: bei welcher Versicherungsgesellschaft.

Lesen Sie mehr über die Reihe Skurrilitäten aus dem Leben einer Rechtsanwältin.

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