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„Tooor, Tooor, Tooor … I wer´ narrisch!“ – kein Werkcharakter

Rechtsnews | 10.06.2014

„Tooor, Tooor, Tooor … I wer´ narrisch!“ – kein Werkcharakter

Ein Sportreporter hatte in einer Radio-Übertragung bei einer Fußballweltmeisterschaft nach dem Treffer zum 3:2 für Österreich den Ausruf „Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer´ narrisch!” getätigt.

Die Verneinung des Werkcharakters dieser Aussage und die Auffassung, es handle sich um einen Jubelruf, der konkret in keiner nennenswert originellen Wortwahl seinen Ausdruck finde, hält sich im Rahmen der Rsp. Die Verneinung einer individuellen geistigen Leistung ist jedenfalls vertretbar, lag doch die Eigentümlichkeit im – durchaus nicht alltäglichen und sogar sensationellen – sportlichen Erfolg der österreichischen Fußballnationalmannschaft gegenüber dem deutschen Team, nicht aber in der Verwendung des Ausrufs „Tor” in Kombination mit einem (gebräuchlichen) Wiener Mundart-Ausdruck.

Die Klägerin ist die Witwe und Alleinerbin des Sportreporters, der in der Radio-Übertragung vom 21. 6. 1978 im Österreichischen Rundfunk beim Spiel zwischen Österreich und Deutschland im Rahmen der Fußballweltmeisterschaft in Argentinien nach dem Treffer zum 3:2 für Österreich den Ausruf „Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor, Tooor! I wer´ narrisch!” getätigt hatte.

Die Beklagte ist ein Unternehmen der Unterhaltungsbranche, das die originale Aufnahme dieses Ausspruchs verwendet und verbreitet und ihn auch als Klingelton zum Download anbot.
Die Klägerin begehrte Unterlassung der „widerrechtlichen akustischen Verwendung” des genannten Ausspruchs sowie Rechnungslegung und Bezahlung des sich daraus ergebenden Betrags. Der besagte Ausspruch sei ein Werk iSd UrhG, die Beklagte greife durch seine Verbreitung und Verwendung in die „akustischen Vermarktungsrechte” der Klägerin ein.

Die Vorinstanzen wiesen die Klage ab. Der OGH (23. 9. 2013, 4 Ob 61/13v) wies die außerordentliche Revision zurück. Auf einen allfälligen Eingriff in Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen war nicht einzugehen, weil sich die Klägerin im Rechtsmittelverfahren nicht mehr auf diesen Anspruchsgrund stützte.